Dalí kann auch schön

Mittwoch, 16. Juli , 2008 by Anika

und sofort ein Möwenmorgenlied im Ohr…

Butterfutter

Dienstag, 15. Juli , 2008 by Anika

Eines der gemeinsten Dinge, die einem passieren können, wenn man nur noch 2 Minuten hat, um sich anzuziehen, die Tasche zu packen und das superweiche zum-Mitnehmen-Toastbrot zu schmieren, ist, genau dann zu merken, dass man vergessen hat, die Butter Stunden vorher aus dem Kühlschrank zu nehmen.
Oder Margarine einzukaufen.

Kusskunst

Sonntag, 13. Juli , 2008 by Anika

Ein Junge und ein Mädchen stehen an der Straßenecke. Vom Himmel betröpfelt. Als ein paar Passanten vorbeigehen, zieht er sie ein Stück zur Seite. Ein Stück näher an sich heran. Über ihnen Ahorn. Sie nimmt ihre Hände und formt mit ihnen eine Höhle um beide Gesichter, die sich näher kommen. Beim Kuss krabbeln sie in seine Haare. Die beiden lachen über Zugeflüsterte Worte und versuchen kichernd, einander zu küssen, und gleichzeitig in den Himmel in die Äste auf die Straße zu schauen. Das Mädchen legt lachgeschüttelt ihren Kopf an die Jungen-Brust und er seine grinsende Wange auf ihre feuchten Haare. Ein Hund schnüffelt im Vorbeigetrottetwerden an ihren Schuhen. Die Wolken üben Schafe. Das Mädchen und der Junge stehen noch so, bis ich sie aus dem Blickwinkel verliere. Im Vorbeigehen habe ich ein kleines Giggeln aus ihrer Luft geschnappt und in meine Hosentasche gesteckt. Heute abend werde ich es mir unter der Bettdecke ins Ohr legen und damit einschlafen.

Fingerfasching

Freitag, 11. Juli , 2008 by Anika

Niemals im Ernst würde ich mir pinken Nagellack antun.
Und genau deswegen war es Zeit. Erhobenen Hauptes bin ich zum Drogeriemarkt gestürmt und dann verschämt von einem zum anderen glitzernden Schminkregaal hin- und hergetigert, bis die perfekte knallrosa Nagegelfarbe mich gefunden hatte. Schnell damit zur Kasse und ein Gesicht machen, als sei das ein Geschenk für die pubertierende Cousine.

Als Nichtnagellackiererin unterschätzt man den Zeitaufwand der ganzen Tuscherei. Aber nach etlichen Nagellackentfernserien und Wattestäbchenbetupfer waren meine Nägel pink. Und ich glücklich. Denn mit solchen Leuchtfarben am Körper kann man nicht anders, als sich mal nicht so ernst zu nehmen und die Welt gleich mit dazu. Immer mal die Finger weit spreizen und kindlich bewundern radiert so ziemlich jedes hartnäckige Alltagsblass, das dem Tag zu Leibe rücken will.

Der Schritt wird beschwingter und die Arme spielen in der Luft Schlagzeug zur Ohrstöpselmusik. Und ein Grinsen schleicht sich in die Stirnfalten. Wenn ich schon seit der 6. Klasse keinen Fasching mehr haben konnte, hole ich ihn mir jetzt eben in die Arbeitswoche und feiere ganz leise. Ganz ohne Konfetti und Pfannkuchen. Dafür mit Straßenhüpfern und Treppentanzen. Ui, wenn ich jetzt noch Funken drüber lackiere, steht spontanen Grinsebackenanfällen gar nichts mehr im Weg.

Ich glaub, das Glitzer-Gläschen stand ganz links im Regal.
Ich hüpfe gleich mal nachschauen.

Wasserperlen

Mittwoch, 9. Juli , 2008 by Anika

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Wenn der See in die Sonne taucht und das Wiesengras einschläft. Die Schwanenfamilie mit den fünf flauschigen hässlichen Entlein verjagt den Hund vor geweiteten Kinderaugen. Der Hund verschwindet mit dem feuchten Ball im Maul zum wütenden Wartenden, der rief. Zwei Kinder laufen hinter ihren Müttern her und klettern. Sich gegenseitig anspornend die kleine Mauer hinauf und unter den herabhängenden Zeigen entlang. MamiMami. Die Haare fliegen um gerötete Wangen. Davon.

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Die eigenen Schritte wirbeln leise Sandkörnchen in die späte Luft. Auf der Bank mit dem Blick zum trinkenden Baum drängeln sich Wassertropfen und mit meinem letzten Taschentuch tupfe ich mir ein Stück Bank frei. Ausestreckte Beine. Den Rucksack auf dem Schoß und den Kopf in den Wolken. So tanzt der Abend vor meinen Augen heran und als der Regen wieder federleichte Wellen wogt auf den Blätterdächern, überlasse ich die Bank den Tropfen. Gehe durch die Wasserperlenvorhänge in der Luft. Langsam und leicht nach Hause.

Das eigentliche Abenteuer

Freitag, 4. Juli , 2008 by Anika

Sie hatte sich noch nicht ausprobiert. Sie wollte noch mehr erleben im Leben. Dafür ließ sie zurück, was sie nachts wärmte und im Sommer klebrig werden ließ. Was ihr vorlas, wenn sie hustete und was ihr Ruhe gab im Treiben.

Solche Geschichten hört man oft. Menschen, die ihre ersten Partner verlassen, weil ihnen der Duft der anderen da draußen unter der Nase reibt. Weil sie sich nicht vorstellen können, ihr Leben lang nur diesen einen Mund geküsst, diesen einen Rücken gestreichelt und immer dieselben Sommersprossen gezählt zu haben.

Wo ist die Freude hin, sich wenigstens im Gefühl niederlassen zu können in der Welt, die um einen herumsaust, wie wütende Herbststürme? Die sich ständig verändert und immer etwas von uns will. An uns reißt und rüttelt und zerrt. In die eine Richtung, dann in die andere und immer wieder nach vorn, nach oben. Wo bleibt der Wunsch, wenigstens die Partnerschaft ein Sturmauge werden und bleiben zu lassen?

Je öfter man sich umhört, desto häufiger begegnen einem die Augen von Zurückgelassenen. Auch in der Liebe muss es anscheinend heftig zugehen. Muss man Erfolge und Punkte und Erfahrungen sammeln, wie Praktika im Lebenslauf. Da werden One-Night-Stands aneinandergereiht, kurze wie lange Beziehungen ausprobiert und Bettsportpraktiken weiter trainiert. Denn keiner kann es sich leisten,zu etwas noch nicht bereit gewesen zu sein und hinter einer Erfahurung einmal kein Häkchen setzen zu können. Wo es einst das größte Glück schien, schnell die Person Richtig zu finden, und bei ihr zu bleiben, scheint es jetzt das Glück, eine besonders aufregende Suche zu erleben.

Heute ist es eine viel größere Herausforderung, zu bleiben, statt zu weiter- und überzugehen.

Die Unruhe steht hinter den Ohren der Liebenden, doch wer hat sie dahin geschrieben?
Alle, die wir davon träumen, ein richtiges Abenteuer erlebt und überstanden haben zu müssen, ehe wir am Aussichtspunkt ankommen und uns mit Stullenbüchse und Wasserflasche seufzend niederlassen können. Die Aussicht genießend.
Was wäre es auch für ein Gefühl, etwas zu erreichen, ohne sich zwischendruch Schweißströme von der Stirn zu wischen und nicht mindestens dreimal über einen besonders steinigen Weg gekrochen zu sein, denken wir uns.
Was ist ein Erfolg, für den man keinen Finger krumm gemacht hat?
Was für ein Abenteuer, wenn das Ziel gleich das erste Dorf nach der ersten Wegbiegung ist. Wie können wir wissen, dass es schön ist, wenn wir nicht mindestens ein anderes gesehen und durchwandert haben? Heutzutage kriegt man nichts mehr geschenkt, meinen wir, außer Fangabos und Körperkontakt in der überfüllten S-Bahn. Da können wir uns kaum mit dem Gedanken abfinden, ein Gefühlsgeschenk einfach so anzunehmen. Wir betrachten es misstrauisch – irgendwo muss der Fanghaken doch versteckt sein – und legen es womöglich wieder weg, weil wir noch nicht genug gesehen haben.

Aber das Verlangen, sich richtig umgeschaut, Konditionen verglichen und auf Herz und Nieren geprüft zu haben, kann besonders gut ausgelebt werden, wenn man Wohnungen mit Balkon, Cafés und Ruhe sucht.
Und das Gefühl, wirklich für etwas gekämpft zu haben, stellt sich wie von selbst ein, nachdem man versucht, sich im Hauptbahnhof einer Großstadt durch die Menschenmenge zu wühlen. Und das ohne Brezelstückchen im Haar, ohne Rollkofferspuren auf dem Fuß, ohne einem Spendenabo für die Organisation zu schützender Primeln am Straßenrand und besonders ohne einem Zweijahresabo für die lokale Tageszeitung.

Ganz umnebelt von wüstem Alltag, vergessen wir, dass das Ding mit der Liebe keinen Prüfungen standhalten muss, die wir an Bergsteigeerfahrungen im Urlaub und bei Einkaufseroberungen haben. Es muss nur eines: Bauch und Herz von innen streicheln.

Das zauberhafte Ding einfach am Schlafittchen zu greifen und sich fest ans Herz zu legen, ist das eigentliche große Abenteuer.

Kleine Splitter

Mittwoch, 2. Juli , 2008 by Anika


Ich hab’ jedes Mal Angst, die Flasche zu öffenen.
Die ganzen letzten Tage hab’ ich sie unbewusst immer wieder in die Luft geworfen und geschüttelt. Wenn ich mein Ohr an das dünne Glas lege, höre ich es schon gefährlich zischen. Es dehnt seine Grenzen. Aber je länger ich hinauszögere, den Deckel abzuschrauben, desto heftiger wird es.

Ich kenne das ja. Ein bisschen unvorsichtig den Deckel abdrehen und schon fliegt er mit überwältigendem Druck an die Decke und aus der Flasche strömen sie in Sturzbächen. Die Wörter, die zu lange geschüttelt wurden. Zu lange im Flaschenbauch immer wieder aneinandergeraten und sich gegenseitig untertauchend. Sich aufplusternd. Sie wittern leere Seiten und springen aus dem Flaschenhals wie wildgewordene Feuerwerke. Und ich stehe immer mit dem Deckel in der Hand einfach nur da. Wische mir die Buchstaben aus den Augen, die sich wie feiner Sprühregen in der Luft hängen und versuche, die hervorströmenden Worte vom Boden aufzuwischen, ehe sie mir mein Laminat wellen. Das ist Knie- und Krempel-Arbeit. Jedes Mal.

Geplatzt ist die Flasche nur einmal. Die Splitter sind fürchterlich scharf und bohren sich tief in die Augenwinkel, bis sie eines Tages vom Salz abgeschliffen und aufgelöst werden.

In Gedanken daran fange ich die in der Luft trudelnden Flasche und halte sie fest. Ich drehe den Deckel ganz langsam auf. Stück für Stück. Das Zischen sprudelt in meinen Ohren. Und die ersten Worte rutschen am Flaschenhals entlang direkt in meine Hände.

ballkopf

Donnerstag, 26. Juni , 2008 by Anika

Seit wir angefangen haben, der weiß-schwarz trikotierten Mannschaft beim Ballspiel zuzusehen, gewinnen sie. Und seit ich in 30° und gefühlskochenden Restaurants das zusammen mit anderen mache, tut meine Stimme danach weh. Ich wusste gar nicht, dass ich nur noch schwer zu hörende Töne mache, wenn Tore fallen. Und eine von denen bin, die kindlicher Weise den Leinwandspielern Schimpftiraden entgegenkeucht. Oder Liebeserklärungen. Oder anzügliche Sprüche. Aber ich finde, ich bin jetzt auch mal dran. Jetzt darf ich das auch mal. Auch mal was zu Waden, Kopfbewuchs und Schweißflecken sagen dürfen.

So, Schweini, und nu mach mal was Ordentliches mit Deinen Haaren.
Du auch, Frings.

Und ich hör auch auf, darüber zu bloggen.

Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können

Montag, 23. Juni , 2008 by Anika


Man höre und staune: Meine Ohren sind Geld wert.
Die nahe Zukunft ist gesichert.
Die in der Ferne von rosa Streifen durchzogen.

Und jetzt gehts freizeitlich wieder bergauf.
Und auch das Schlauwerden macht Spaß. Plötzlich wieder.
Und nach dem grausigen 6er Referat kommen jetzt nur noch beeindruckende.

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Und alles, weil der Alltag mir den Trott unter den Füßen weggezogen hat.
Danke, Kumpel.

Im Finden befunden.

Mittwoch, 18. Juni , 2008 by Anika

Blöd, wenn so profane Sachen wie Brötchenverdienstfindedinge am Ende des Tages nach der Zeit fürs geliebte Bloggen suchen lassen.

Aber da müssen wir jetzt durch.

Einmal im Jahr mach ich das

Freitag, 13. Juni , 2008 by Anika

Eigentlich mach ich ja sowas nicht. So Freundes-Buch-Stöckchen beantworten, wo nach Lieblingskleidungsstücken und den Namen der besten Freundinnen gefragt wird, aber einmal im Jahr mache ich sowas, damit ich dann den Rest des Jahres sagen kann, sowas mache ich nicht. Diese hier ist also mein eines Mal. Und ein bisschen lustig wars auch. Sich selbst in die 90er Jahre versetzen und Kopfbilder heraufbeschwören. Auf denen man Herzchenstempel, Glitzersticker und Schere in der Hand über pinken Freundesbücherseiten brütete, wo ganz oben links der eigene Name von der BuchBesitzerin mit Bleistift vorgeschrieben wurde. Damit man genau wusste, wo man sich einzutragen hatte. In diesem Fall war das die Bleistiftschrift der Sonnenanne. Danke, Du.

Mein Ex…. hat mich nie kennengelernt

Ich höre gerade…autos, die durch pfützen fahrend ein whuusch machen, dass es mir das grinsen in die ohren treibt

Vielleicht sollte ich… junge sein.

Ich liebe… regentropfengeräusche auf den baumblättern vom fensterkumpel

Meine besten Freunde sind… spät auf meine welt gekommen. und jetzt für erstmal immer da

Ich verstehe nicht,… dass es kein frisch-gemähtes-gras-parfum gibt

Ich habe keinen Respekt vor… alter

Ich hasse… dieses gefühl, ein niesen nicht niesen zu können

Liebe ist… steht immer unter und über diesen nackten kindern

Irgendwo ist jemand… der die arme ausbreitet und im regen tanzt und alle anderen nass spritzt

Ich werde immer… schnell sein und sehr langsam

Ewigkeit ist wie… der wirwunschtraum

Was ich niemals verlieren möchte… das bunte schniefen zur nacht an meiner brust.

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Und eigentlich fehlt bei den philosophisch-tiefgehenden FreundesbuchFragen hier noch “Wenn Du ein Bunstift wärst…” und “Mein Lieblingsessen ist”.
Wer auch mal wieder früher spielen will, kann sich das hier gern mitnehmen und neu besprachbildern.

Ihre Geschichte wird traurig enden

Mittwoch, 11. Juni , 2008 by Anika

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Eine einzelne Erdbeere liegt in der Ecke der Treppenstufen. Das Mädchen steigt drüber hinweg und lächelt, weil sie selbst welche am Ohr trägt. Kleine Schmuckfrüchte, die ihn immer dazu verleiten haben, ihr das Haar hinters Ohr zu streichen und an ihren Ohrläppchen zu zupfen. Damit die Erdbeeren kurz in der Sonne tanzen.

Sie hält kurz atmend inne, um sich die Erinnerung zu rufen. Ganz leise. Vanilliezimtstern. Der Geruch ihrer Lieblingsstelle, dem Grübchen an seiner linken Schulter. Wassermelone. Wie sein Lächeln geschmeckt hat. Sie steht da. Hat die Augen geschlossen und lässt die Sonne ihre Lider bespielen. Steht unbewegt. Irgendwer rempelt sie in die Realität. Sie blickt sich um und sieht, wie der strähnige Mensch kopfschüttelnd die Treppen an ihr vorbeihastet. Die Bahn zu kriegen, bevor sich die Türen schließen. Sie geht weiter und tanzt an den Schatten vorbei nach Hause. Dreht den Schlüssel im Schloss und spürt schon die rauen Fingerspitzen auf ihrem Ohrläppchen. Ein Grinsen schleicht sich mit ihr durch die Tür. Sie streift die Schuhe ab und und breitet barfüßig die Arme aus. Sie bleiben nicht lange leer.

Sich wärmende und wiedererkennende, miteinander aufgeregt flüsternde Körper im Flur. Aus zwei mach eins. Sie lachen und streichen sich die Haare aus den Stirnen und hinter das Ohr und er nimmt ihre Hände. Gefühlsregentropfen im Gesicht freuen sie sich gemeinsam auf immer. Ihre Geschichte wird traurig enden. Sie weiß es schon. Und die Sonne klopft das Abendlied ans Fenster.

flatterdinge

Donnerstag, 5. Juni , 2008 by Anika

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.k

sie sagt, es gäbe viele dort.

Einmal nach schön, bitte.

Freitag, 30. Mai , 2008 by Anika

Ein vielfaches Danke für diese überwältigende Reiselust in den Kommentaren! Über die nächsten Jahre Urlaub brauche ich mir jetzt keine Gedanken mehr zu machen. Ob Irlandort oder Italiendorf oder Schiermoonikoog allein schon wegen des Namens - ich entdeckungsfreu mich vor. Riesig.

Dieses Jahr wird es wohl Deutschland. Am See. Und Idylle mit kleinen Cafés, Wolkenschlössern und knarrenden Bootsstegen im Schilf.

Wo hat man es schön?

Montag, 26. Mai , 2008 by Anika

Wer schon immer mal seine Reisetipps vor jemandes Herzen ausbreiten wollte, findet hier jetzt genügend Platz und freundlich-auffordernde Blicke meinerseits. Ich suche einen kleinen amWasserOrt, der ein paar Tage Urlaub lohnt. Ob in Deutschland oder Timbuktu - egal. Hauptsache Wasser und schnuckelig und grün. Oder so.

Seifenstück im Wartezimmer

Montag, 26. Mai , 2008 by Anika

Ein Lieferant – erkennbar an der blauen Mütze, die zur blauen Hose und der blauen Jacke passen soll – kommt in die Zahnklinik und fragt laut nach Doktor Sowieso. Ja, den gäbe es hier, antwortet die Thekenfrau mit dem Baby im Bauch.
Er hätte da nämlich ein Fahrrad im Laster für den Herrn Doktor, daumenzeigt der Lieferant nach draußen. Die Thekenfrau erklärt unerstaunt, dass er es hochbringen könne. Ich sitze mit offenem Mund da und verfolge die Soap. Schade, dass ich nichts kauen darf dabei.

Ein paar spannungssteigernde Minuten später steht das Fahrrad vor der Tür, vor der man jedes Mal ratlos eine Überlegungszeit stehen bleibt, weil man immer vergisst, dass da ein Summer ist.
Die Thekenfrau bedankt sich und schiebt das Fahrrad in den Personalraum. Da wird sich der Doktor aber freuen, winkt sie dem Blaumann noch über die Schulter.

Der Herr Doktor, steht um ihre Augen und Wundwinkel geschrieben, der ihr morgens im Vorbeigehen ein Grußwort zugeworfen hat und scheinbar anfing, mit sich selbst zu reden. Wenn da nicht sie, die Thekenfrau, plötzlich im Gleichschritt an seiner Seite geklebt hätte. „Also, ich esse heute wieder einen Muffin, ja, den mit den Schokostückchen, aber bitte diesmal ohne Beeren, einen Kaffee schwarz, und bringen sie mir eine Folterzange Größe 4 ins Zimmer 12, meine Liebe und vergessen sie bitte nicht die Milch in meinem Kaffee, und, ach, seien sie so nett – die Sonne lacht heute ja so schön – besorgen Sie mir ein Fahrrad. Das wärs, Mädchen. Und kriegen Sie bloß nicht ihre Wehen inzwischen. Wir können hier ja nur Zähne rausziehen. Haha.“

Und die Thekenfrau wiegte zurück zur Theke, strich sich über den Bauch, die kleinen Schweißperlen von der Stirn und rief im Fahrradladen an. Wenigstens nur das, heute, flüstert sie sich. Nicht wieder die kleine Blonde. Und nur ein schlechter Witz. Gar kein so schlechter Tag.

Dann verschwindet die Thekenfrau mitsamt ihren Augen hinter dem Computerbildschirm und ich muss wieder in der Zahnzeitschrift lesen, bis ich in Zimmer 12 gerufen werde. Ende der Soap. Und mein herbeigesehntes Happy End mit vom zu hoch eingestellten Fahrrad kippendem Doktor platzt.

Poethik

Donnerstag, 22. Mai , 2008 by Anika

Der schlanke Junge mit den gelockten Haaren läuft schon eine Weile vor mir. Die Parkwiese hat sich heute mit vielen verabredet. Ich drücke mir meine Kindheits-Decke mit den Bambis an die Brust und versuche gleichzeitig, die Limoflasche, das Buch und mein Gleichgewicht nicht zu verlieren. Der Junge trägt neben dem üblichen Grill seinen prallen Po in karierten Boxershorts spazieren. Irgendwo darunter klammert sich verzweifelt eine Jeans, eng geschnallt. Gedanklich seinen Gürtel nach vorn entlangzufahren, bis zum Druckpunkt der Schnalle muss ich abbrechen. Mich schüttelts. Lieber nur in die Sonne gucken, oder die Bambis auf der Decke zählen. Das tut mir immerhin nicht fast körperlich weh.

Schmatzmonster

Mittwoch, 21. Mai , 2008 by Anika

Während Maroo ins Kissen schlafschnieft, den Arm über seinem Gesicht. Schmatzt Kasimir in seinem Kuschelsessel vor sich hin. Die Brombergoldschüssel auf den Knien, Milch an seinem Kinn und ein verfressen-glückliches Grinsen im Mund. Maroo träumt dabei sicher von schleimigen Ungeheuern, die hinter ihm her sind, flüstert sich Kasimir. Oder wie er im Sumpf wandert und durch den Matsch watschelt, der seine Füße jedes Mal erst mit einem sabbernden Kuss wieder frei gibt.

Als Kasimir die letzten Tropfen Mitternachtsmilch geräuschvoll aus der Schüssel geschlürft hat, krabbelt er zu Maroo und feuchtet einen Kuss an sein Ohr.
Maroo dreht sich auf die Seite und nimmt Kasimir in die Arme, sich das kleine Monster zur Brust. Und Kasimir hält sich Maroos Hand an die goldene Wange gepresst, während er leise ins Kissen atmet.

so ist das mit uns

Dienstag, 20. Mai , 2008 by Anika

“Warum sind denn bloß alle so doof?” meckere ich laut vor mich hin, klappe den Laptop heftig zu und kippe Öl in Anjs Redefeuer über unqualifizierte Leute.

“Tja,” ruft sie mir vom Flur aus zum “wir sollten uns langsam damit abfinden, die ganze Welt alleine schmeißen zu müssen.”

“Okay.” finde ich das und trinke rebellisch meinen Morgenmuffeltee am Nachmittag.
Aber wehe, einer meckert.

Auch in den Beinen

Montag, 19. Mai , 2008 by Anika


Dass ich am Montagmorgen nicht mehr in den Unifahrstuhl reinpasse, macht mir gar nichts. Dann laufe ich eben die paar Treppen in den vierten Stock. Kein Problem. Steht ihr euch nur alle das Fett in den Bauch. Die Fahrstuhltür schließt sich und frisst einen Jackenzipfel während ich mich auf den gesundheitsfördernden Weg mache. Trepp auf.

In den unteren Stockwerken muss ich noch aufpassen. Muss der Professorin mit der großen Tasche ausweichen. Auch dem blonden Jungen mit dem Kaffeebecher in der Hand und den Augen auf dem Hintern seines Vordermannes. Den ebenfalls nach oben Treppenden werfe ich einen abschätzigen Seitenblick zu. Wir sind nicht viele. Stufe für Stufe wird es immer leerer und die letzten verlieren sich zwischen Etage zwei und drei. Die Treppe zur vierten ist komplett frei. Ah, ihr Luschen, ihr, die ihr alle den achsobequemen Aufzug nehmt, und früher sterbt als ich. Ich mit meinen jungen 22. Ich, die sportliche Studentin. Die es nicht nur im Kopf hat, sondern auch in den Beinen. Jawoll! Treppaufsteigerin der Woche.

Ich bin ganz allein. Super ist das! Noch eine Stufe hinaufhüpfen und noch eine. Ach, was sage ich da. Schweben! Kein anderer mehr neben mir, den es bis hier oben verschlagen hat. Keiner, der nicht doch zu faul ist und lieber den Aufzug nimmt, auch wenn man 20 Minuten warten muss, bis man reinkommt. Und dann immer zu spät ins Seminar reinplatzen, ja, aber Hauptsache Fahrstuhl.
Ha, aber ohne mich. Ich schwebe gerade die dreieinhalbte Treppe hoch. Ganz allein. Nur ich und die Treppe. Nur ich. Und die Treppe.

So bleibt dann auch unter uns, wie ich auf den vorletzten Stufen plötzlich prustend Halt mache und mich Geländer klammere. Nach LuftLuftLuft schnappend, die Beine nicht mehr spüren und mit Blutgeschmack im Mund. Zum Seminar komme ich dann 10 Minuten zu spät.
..
Am nächsten Morgen stehe ich mit gesenktem Blick und Muskelkater am Fahrstuhl. Und Treppensteigen soll ganz schlecht für die Gelenke sein, hab ich ja gehört.